NEUE NATIONALGALERIE: ANNE TERESA DE KEERSMAEKER

 

 In einem Museum ist der Inhalt, also die ausgestellten Kunstwerke, wichtiger als die Hülle, also das Haus selbst. Aber nicht im Falle der Neuen Nationalgalerie, die erst vor Kurzem nach langjähriger Restaurierung wiedereröffnet wurde. Das ikonische Bauhaus- Gebäude von Mies van der Rohe ist selbst ein Kunstwerk und dazu noch eines, das die Fantasie beflügelt. Kein Wunder also, dass dieser Ort nun für vier Tage zur Bühne für eine Tanzperformance wird. Kreiert von einer Grande Dame der zeitgenössischen Tanzkunst Anne Teresa de Keersmaeker. atdk4


Die Eingangshalle der Neuen Nationalgalerie. Von allen Seiten – Glas und Licht. Von oben – Betondecke, dunkelgrau, schwer. Ein Raum, so groß, dass Menschen an der gegenüberliegenden Wand wie Däumlinge wirken. Genug Platz für einen Körper, sich frei zu fühlen, sich zu biegen und zu drehen. Oder auch nur still, kerzengerade dazustehen. Nicht mal einen Finger zu bewegen. Dann wieder losrennen, quer durch die Mitte, auf den Boden fallen, sich rollen, Arme und Beine wie Zirkelschenkel ausstrecken. Wieder aufstehen, die Glieder schwenken, herumwirbeln, plötzlich stecken bleiben. Bewegungslos dastehen. Sodass nur der Atem den Körper bewegt.
Atmen ist das Leitmotiv der Tanzperformance. Und ein wichtiger Bestandteil im choreografischen Werk von Anne Teresa De Keersmaeker. In ihrem neuen Stück verbindet sie

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„Die Kunst ist wichtig, wenn sie hilft“. Benefizkonzerte für die Ukraine.

Die Hilfsbereitschaft für die Ukraine ist groß. Apotheken spenden Verbandszeug, Wohnbaugesellschaften stellen Räume zur Verfügung. Die Pianistin Kateryna Titova spielt beruflich Klavier – und tut genau das, um für die Ukraine zu sammeln. Von Vera Block

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Kateryna Titova sitzt vorgebeugt am Flügel und spielt mit halb geschlossenen Augen eine Skarlatti-Sonate – doch dann bricht sie ab, von Gefühlen übermannt.

Die Sonate spielte sie auch vor einer Woche während des ersten Konzerts der Reihe "Mondays for Ukraine" und wollte es auch im Potsdamer Palais Lichtenau aufführen. Doch Titova sagt, sie "konnte emotional nicht weiterspielen."

Die Berliner Musikerin mit den ukrainischen Wurzeln hatte das Konzert in weniger als 24 Stunden organisiert. Am Abend füllte sich der Saal, das Konzert wurde ein Erfolg. Es kamen Spenden im fünfstelligen Bereich zusammen. "Wir hatten im Publikum zum Beispiel Günther Jauch, und es wurde großzügig gespendet für die Menschen aus der Ukraine. Das ist im Moment das Wichtigste", sagt die Pianistin.

INFOS ZUM KONZERT

Konzerte in Potsdam (Quelle: Mondays for Ukraine )

 

 

Mondays for Ukraine

Das Konzert finden Montags um 20.00 Uhr in Potsdam, im Palais Lichtenau, Kurfürstenstr. 40 statt. Der Eintritt ist frei, es wird um Spenden gebeten. Draußen vor dem Palais werden Monitore und Lautsprecher aufgestellt, die Veranstaltung übertragen.

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Wegen russischer Namen. Dänische Veranstalter sagen Ausstellung Berliner Künstlerinnen ab.

Der Krieg in der Ukraine hat die Kunstszene erreicht. Auf der einen Seite werden Putin-nahen Kunstschaffenden Engagements und Auftritte gekündigt. Andere bekommen die Auswirkungen zu spüren, obwohl sie sich aktiv gegen das Putin-Regime engagieren. Von Vera Block

Es sollte eine Ausstellung über die Schönheit des Zerbrechlichen werden, über einen fragilen Alltag. Überdimensionale Objekte aus Pappmaschee, die dänischem Porzellan nachempfunden sind. Dargestellt als Scherben und Bruchstücke. Eigentlich sollten sie in der dänischen Stadt Horsens in Jütland ausgestellt werden – dazu wird es aber nicht mehr kommen.

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Die Berliner Künstlerinnen Natalia und Maria Petschatnikov haben vor wenigen Tagen erfahren, "dass es möglicherweise problematisch ist, weil es eine staatliche Institution ist und wir haben russische Namen. Aber die Kuratoren und Museumsdirektor haben für uns gekämpft!"

 

Vergeblich. Die offizielle Absage kam am 1. März. Eine regionale dänische Zeitung, erzählen die Schwestern, zitierte dazu einen Lokalpolitiker: "Ich weiß, dass Maria und Natalia Petschatnikov nichts mit dem Krieg zu tun haben, aber wir können russische Kultur momentan nicht unterstützen."

Ein falsches Signal

Zerbrochenes Porzellan, lächeln Natalia und Maria Petschatnikov bitter. Die beiden sitzen nebeneinander in ihrem Atelier in der Nähe der Jannowitzbrücke. An den

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Eine Frau, die weiß, was sie singt. Porträt der Sängerin Ethel Merhaut.

Was tun, wenn man als lyrischer Sopran nicht so richtig Lust auf Verdi und Schubert hat? Für Ethel Merhaut lautet die Antwort: die Musik der 20er und 30er Jahre singen. 

TonArt, WDR 3 vom 14.05.2021  Verfügbar bis 14.05.2022EM_Book_20s_19439753932_final2_Masterworks.indd

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr3/wdr3-tonart/audio-ethel-merhaut-singt-lieder-der-er-100.html

Die „schwarze Carmen“ von Berlin. Mezzosopranistin Vera Little

Vera Little (10. Dezember 1928,  Memphis, Tennessee – 24. Oktober 2012, Berlin, Deutschland).

Vera_Little_© Archiv Deutsche Oper Berlin

Sie kam nach Europa um der Rassentrennung in den USA zu entfliehen. Und um zu singen. Und sie ging in die Geschichte ein als die erste schwarze Opernsängerin, die vor dem Papst singen durfte und als wahrschenilich erste schwarze Carmen weltweit. Sie hatte die wichtigsten Mezzo-Partien in ihrem Repertiore und hat bei etlichen Unraufführungen ihre Rollen geprägt. Neben dem Singen war das Schreiben Vera Littles große Leidenschaft. Sie hat drei Gedichtbände und eine Sammlung von Erzählungen veröffentlicht. 
 

Vera_Little_© Archiv Deutsche Oper Berlin

Mein Feature über die Opernsängerin Vera Little im Deutschlandfunk Kultur:

Die "schwarze Carmen" von Berlin. 

Erstausstrahlung am 17. März 2021.

Aus dem Ausland auf die Bühne. Coaching für Nicht-Muttersprachler

Veröffentlich auf www.rbb24.de:

https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2020/08/schauspieler-training-akzent-sprache-theater-coaching.html

Für Theatermacher aus dem Ausland ist es schwer, in Deutschland beruflich anzukommen, weil sie oftmals mit Akzent sprechen und das System hierzulande nicht kennen: Wie funktioniert ein Vorsprechen? Worauf soll man achten? Ein Coaching soll Abhilfe schaffen. 

Monika Dobrowlanska (Bild: rbb/ Vera Block) 

Mit einem Glas in der Hand schwankt hin und her und brüllt Sätze voller Frust und Wut heraus. Der Monolog der Martha aus "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" ist einer der berühmtesten der Theatergeschichte. Die Schauspielerin, die ihn gerade vorträgt, entspricht haargenau der Beschreibung von Autor Edward Olbee:

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Mozart als Mutmacher. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin spielt in Seniorenheimen.

Veröffentlicht am 05.05.20 auf rbb24 "RSB-Konzerte in Seniorenheimen: "Ich bin mehr für das Rockige – aber das war sehr beschwingt"

Kaum Besucher, keine Veranstaltungen: Durch die Corona-Krise ist es in vielen Berliner Kranken- und Senioreneinrichtungen ruhig geworden. Sofern nicht die Musiker des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin aufspielen. 

Ein Hinterhof als Konzertsaal, Büsche und Blumenbeete als Kulisse, die grüne Wiese als Bühne, die Balkone als Ränge. Auf dem gepflasterten Weg stehen vier Notenpulte. Der Innenhof des Seniorenheims Haus am Kienhorstpark in Berlin-Reinickendorf füllt sich kurz vor Konzertbeginn mit Menschen.

Mit Sonnenhut und Einweghandschuhen

"Echtes Publikum vor Ort! Und die Leute sind schon ganz gespannt und freuen sich", sagt die Leiterin der Einrichtung Angelika Liebing und zeigt auf die Terrasse und die Balkone. Sie beobachtet aufgeregt, wie Pflegerinnen ältere Damen in Rollstühlen in Reihen platzieren. Alle mit Abstand zu einander.

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Wie sich Russen in Berlin versuchen, aus der Patsche zu helfen

Von New York nach Berlin zurück mit einem russischen Pass: In den Tagen der Corona-Krise stranden reihenweise Leute in Ländern und Situation, die noch vor einer Woche undenkbar waren. Ein Blick in die russischsprachige Community – und was die Menschen dort umtreibt.

Ich träumte, dass du vom Corona-Virus träumtest.

Von der Zeit, die stehen bleibt.

Alles abgesagt. Zutritt versagt.

Und ein leeres Nudelregal im Supermarkt.“

Übersetzung aus dem Russischen

Diese Zeilen schrieb die tatarisch-berlinische Dichterin Deenara Rasulewa vor ein paar Tagen. Da war sie noch in den USA, auf Coney Island. Sie wusste schon, dass sie am nächsten Tag zurück nach Hause fliegen wird, nach Berlin. Vorzeitig.

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Kaffee mit einem Schuss CBD

"Café Canna" in BerlinKaffee mit einem Schuss CBD

Tee, Limonade, Kaffee: In Berlins erstem CBD-Café steckt Hanf in fast allen Produkten. Besucher sollten sich aber nicht auf eine Art Coffeeshop einstellen, denn statt auf Rausch setzt der Besitzer auf natürliche Entspannung – durch CBD. Von Vera Block 

Obwohl sich der Name "Café Canna" von Cannabis ableitet, ist in dem kleinen Lokal in Berlin-Prenzlauer Berg nirgends eine Hanf-Pflanze zu sehen. "Anbauen dürfen Hanf nur Landwirte und dann nur vorgegebene Sorten aus dem EU-Sortenkatalog", erklärt Café-Besitzer Nico Schack. Eine Hanfpflanze im Kübel wäre also gesetzeswidrig. Aber: "Wir haben eine abgeschnittene Hanfpflanze oben auf dem Regal. Das ist auch der Teil der Pflanze, aus dem der Tee gemacht wird."canna 4

 

Angebliche Wundersubstanz

Eine Tasse Hanfblütentee hat sich Nico Schack gerade selbst eingeschenkt.

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Beklemmung im Saal. Das Theaterstück „Die Wiedergutmachtung“ erzählt vom Kampf um die sogenannten Ghetto-Renten.

Dorothea Krüger (Quelle: rbb/Vera Block)

 

Audio: rbbKultur | 29.11.2019 | Vera Block | Bild: rbb/Vera Block

Theaterkritik | "Die Wiedergutmachung"Beklemmung im Saal

Von den Nationalsozialisten wurden sie zur Arbeit gezwungen, doch jahrelang lehnte die Rentenversicherung die meisten Anträge von Ghettoarbeitern ab. Das Stück "Die Wiedergutmachtung" erzählt vom Kampf um die sogenannten Ghetto-Renten. Von Vera Block

Auf der dunklen Bühne in der Berliner Werkstatt der Kulturen stehen zwei Menschen. Hinter ihnen – wie von einer Kinderhand an die Schultafel geschrieben – sind zwei Worte an die Wand projiziert: Richter und Zeuge. Richter: "Wann genau begann und endete die Beschäftigung im Warschauer Ghetto?" Der Zeuge kann keine genauen Angaben machen. "Die Zeit war für uns nicht wichtig", sagt er. Die Fragen werden immer mehr: "Gab es Entscheidungsfreiheit bei der Wahl der Arbeit? Hat man dafür nur Suppe oder auch Geld bekommen? Hätte man nicht auch mal nein sagen können?"

Der alte Mann stützt sich auf seinen Stock. Er ist sichtlich verzweifelt. Zermürbt von der deutschen Bürokratie.

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Selbstschutz oder Selbstsucht? Über das Für und Wider der Achtsamkeitspraxis.

Der Geist kommt nicht zur Ruhe. Die Gedanken kreisen. Die Seele findet keinen Halt. Über solche Beschwerden klagen immer mehr Menschen in unserer reizüberfluteten Welt. Abhilfe suchen viele im Üben der Achtsamkeit. Sie verspricht eine Besserung des Befindens durch die Rückbesinnung auf sich selbst. Doch Kritiker warnen vor negativen Nebeneffekten der Achtsamkeitspraxis, etwa wachsendem Egoismus und seelischer Abstumpfung. Die Sendung geht der Frage nach, ob der neue Gesellschaftstrend Risiken birgt.

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Zur Sendung: https://www.rbb-online.de/rbbkultur/themen/leben/beitraege/2019/11/achtsamkeit.html

BERLINER BLAU: Die wundersame Geschichte einer Farbe

Preußisch Blau, Pariser Blau, Miloriblau, Chinesisch Blau: Berliner Blau ist eine Farbe mit vielen Namen und vielen Geschichten. Entdeckt durch Zufall Anfang des 18. Jahrhunderts, veränderte sie zuerst die Welt der Kunstmalerei. Dann machte sie Karriere als medizinisches Heilmittel. Und im 21. Jahrhundert ist Berliner Blau dabei, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten.

Ein Blaues Wunder made in Berlin. Die Sendung erzählt die spannende Geschichte eines Berliner Exportschlagers.

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Zur Sendung: https://www.rbb-online.de/rbbkultur/radio/programm/schema/sendungen/kulturtermin/archiv/20191111_1904.html

 

DRINGEND GESUCHT! Ausländische Pflegekräfte im deutschen Krankenhausalltag

Ob Krankenhaus oder Altersheim – überall, wo Menschen Pflege bedürfen, fehlt es in Deutschland an Personal. Eine schnelle Lösung des Problems bieten ausländische Fachkräfte, die in den letzten Jahren verstärkt angeworben werden, etwa in Mexiko. Sie haben eine fundierte Ausbildung, sprechen aber oft nur wenig Deutsch. Sie sind motiviert, kennen aber die Gepflogenheiten am neuen Arbeitsort nicht. Ein Dilemma, das Konfliktpotential birgt, gleichzeitig aber auch eine Chance ist – für Arbeitssuchende aus dem Ausland und die Patientenversorgung in Deutschland.

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Dunkle Stimmen. Geschichte und Gegenwart schwarzer Sängerinnen und Sänger auf deutschen Opernbühnen.

Otello oder Aida sind Schwarze Figuren. Gesungen wurden ihre Partien meist von Weißen, denn die Oper galt lange als "weiße" Kunstform. Seit jedoch Wieland Wagner 1961 mit Grace Bumbry eine "schwarze Venus" auf dem Bayreuther Hügel auftreten ließ, gehören auch Schwarze Sängerinnen und Sänger auf deutsche Opernbühnen. 
Die Sendung zeichnet die Geschichte der angeblich "dunklen Opernstimmen" nach und gibt Einblick in die "Schwarze Opernszene" heute.

Die Sendung steht nicht mehr online zur Verfügung. Hier kann der Text nachgelesen werden. Eine Veröffentlichung, etwaige Verwendung oder Nutzung der Zitate ist nur nach Rücksprache mit der Autorin bzw. Genehmingung durch sie möglich. Hier geht es zum Text. 30-05-19-TEXT _Dunkle Stimmen

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Ronnita Miller als Emilia in Otello an der Deutschen Oper Berlin

© Bettina Stöß