Ethical Fashion Show auf der Berlin Fashion Week

Nachhaltiges auf der Fashion Week Ökologisch und sozial korrekt ist jetzt ein Modetrend

Nachhaltig hergestellte Kleidung und Schmuck haben auf der Berliner Modemesse Fashion Week ihren Platz gefunden: Erstmals gab es eine kuratierte Schau mit Kreationen von Designern, die umweltbewusst und sozial produzieren. Von Vera Block

 

Die Musik ist laut und schnell. Die Scheinwerfer tauchen die Backstein-Wände des alten E-Werks in der Wilhelmstraße in Neonlila und Flaschengrün. Die geladenen Gäste sitzen Schenkel an Schenkel, Mobiltelefone und Fotokameras im Anschlag.

Der Modereigen beginnt mit einem blauen Mantel und einem Schlabberhut, unter dem das Model ein buntes Dreieckstuch zusammengebunden hat. Es folgen Wuschel-Pantoffeln zu Regenmänteln, mit Spitze kombinierte Animal-Prints und eher züchtige Bade-Ensembles mit ausreichend Stoff um die Hüften. Gemustertes und Flatterndes. Klobiges und Hochtalliertes. 

Weiterlesen

Faire Helden. Heldenmarkt, die Messe für den nachhaltigen Konsum findet zum 7. Mal in Berlin statt.

Als 2010 in Berlin zum ersten Mal der Heldenmarkt stattfand, war das eher eine Veranstaltung für Hardcore- Umweltschützer. Inzwischen ist die Messe für den nachhaltigen Konsum eine Institution und findet in mehreren deutschen Städten statt. Eine Berliner Erfolgsgeschichte, sozusagen.

 P1110252

Es begann mit einem Sneaker aus recycelten Materialien. Lovis Willenberg, ein Berliner DJ, wollte ihn unbedingt haben. Doch den Schuh zu kaufen erwies sich als Problem. Also beschloss Lovis Willenberg einen Ort zu schaffen, wo Hersteller umweltfreundlicher, nachhaltiger Produkte ihre Ware präsentieren könnten. Er nannte diesen Ort ein wenig reißerisch und sehr romantisch – den Heldenmarkt:

Weiterlesen

Großes Kino groß in Mode. Berlin Fashion Film Festival zeigt Trends der Modebranche.

Fashion-Filme sind Visitenkarten der Modeunternehmen. Aber sie zeigen mehr als neueste Kollektionen: Sie vermitteln Ideen zur Selbstdarstellung und Selbstgestaltung. Am Donnerstag beginnt in Berlin das Fashion Film Festival.

 IMG_4791

Fashion-Filme sind die Musikvideos von heute – wird Frank Funke, der Gründer des Berlin Fashion Film Festivals (BFFF) gerne zitiert. So wie früher die Musiksender ganze Generationen in Stil und Haltung prägten, tun es heute die Fashion-Filme. Ihr Einfluss ist so groß, dass es inzwischen mehrere Fashion-Film-Festivals weltweit gibt. Das Berlin Fashion Film Festival gilt als eines der einflussreichsten. Seit 2012 kommen in Berlin im Juni Filmleute, Werbeprofis und Modemacher zusammen, um neue Trends auszuloten, Ideen auszutauschen und im Wettbewerb, an dem mehrere hundert Kurzfilme teilnehmen, die besten zu wählen.

Weiter auf rbb-online.de

 

State of Design Berlin 2017: Gestaltung zwischen Theorie, Praxis und Nachhaltigkeit.

So wie Februar in Berlin die Berlinale-Zeit ist, ist Ende Mai – Anfang Juni die Zeit für Design. DMY – das Design-Event zieht zu dieser Jahreszeit kreative Gestalter aus der ganzen Welt an. Nur nicht dieses Jahr. Das DMY genehmigt sich eine Kreativpause. In die Bresche ist aber ein anderes Event gesprungen, das bereits letztes Jahr stattfand und nun konkurrenzlos die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. State of Design Berlin lädt zu einer Ausstellung, Diskussionen und spannenden Begegnungen.

sod4

"Wir wollen aufzeigen, dass Design ist ein Prozess, betrifft uns alle,“

sagt Alexandra Klatt, die Mitorganisatorin des Festivals. Sie überblickt die weißgeflieste Halle des Vollgutlagers der ehemaligen Kindl Brauerei in Neukölln. Eine der IN Locations in Berlin und der Austragungsort von State of Design Berlin. Letztes Jahr war das noch eine Konferenz mit kleineren Veranstaltungen an diversen Orten der Stadt. Nun sollen vier Tage lang auf zwei Ebenen aktuelle Trends und richtungsweisende Erkenntnisse in Sachen Design präsentiert werden:

Weiterlesen

Berlin Fashion Week. Selvedge Run: Mit Hang zum Handgemachten.

 

Selvedge Run ist wahrscheinlich die einzige Messe im Modeuniversum der Berlin Fasion Week, die hauptsächlich Männer anspricht. Nach dem Motto: Handgenähte Schuhe, edle Rasiercremes, exquisite Taschen und teurer Schmuck… are the mans best friends.

7

Der Mann von heute – davon ist frau nach dem Besuch der Messe überzeugt, trägt (leider immer noch) Bart, legt Wert auf Handwerk und hochwertige Manufakturproduktion, ist höchstwahrscheinlich aufwendig und kostspielig tätowiert. Und lässt sich nicht mehr in die Karten blicken, ob er nun homo-, hetero-, trans-, metro-, oder antisexuell ist. Man ist Mann. Period.

Weiterlesen

Berlin Fashion Week: Polen mag´s kosmopolitisch.

Berlin ist wieder im Modefieber. Eines der Highlights dieser Ausgabe der Fashion Week ist Design aus Polen. Es wird im Quadrat Shop in Berlin Mitte präsentiert.

20160622_161308

 

Keine weiß-roten Flaggen, keine bunt bestickten Blusen. Der Quadrat Shop gibt sich kosmopolitisch. Klare Linien, braunes Holz, weiße Wände, auf dunklem Vlies, Ringe und Ketten, bronzefarben oder aus Edelstahl. Auf den Kleiderständern hängen Mäntel, Oberteile und Jumpsuits in gedeckten und neutralen Farben: Grau, nude, schwarz. Die Formen sind schlicht, klobig, geometrisch. So wird die Kleidung heute überall auf der Welt konstruiert.

Weiterlesen

Altes Handwerk im neuen Design. Designfestival DMY 2016.

Odyssey 2016 – unter diesem Motto findet zum 14. Mal in Berlin das Designfestival DMY statt. Diesmal geht es um Grenzüberschreitungen zwischen den Gestaltungsdisziplinen.

IMG_1739

Denn es reicht heutzutage nicht mehr, formschöne Suppenlöffel oder ausgeflippte Brillengestelle zu entwickeln. Heute arbeiten Designer oft an der Schnittstelle – vor allem zwischen Gestaltung und Programmierung.

 

Weiterlesen

Heidentum, orthodoxe Kirche, Sowjetunion. Die Messe REMESLO zeigt die Wurzeln des russischen Designs.

 

Aus Russland gibt es in letzter Zeit kaum gute Nachrichten. Aber was passiert in der russischen Gesellschaft jenseits des Putin-Kultes? Eine kleine, privat organisierte Messe für russisches Design in Berlin will einen Überblick über das moderne Kunsthandwerk und Design von Gebrauchsgegenständen "made in Russia" bieten. Und vielleicht einen Einblick in die russische Gesellschaft.

P1100573


Seit Ende November hat Anastasia Schedrina bereits mehrere Verkaufsausstellungen von zeitgenössischem russischen Gebrauchsdesign organisiert. Eigentlich promoviert sie in Berlin zum Thema „Hinduismus und Wirtschaft“. Design ist ihr Hobby, und Anastasia kann ihre Neugierde nicht verbergen, während sie immer neue Sachen aus dem Karton hervorholt.

Weiterlesen

Ida Koitila – ich suche nach Paradoxen. Die schwedisch-finnische Künstlerin mit einer umfangreichen Ausstellung im Finnland-Institut

Ida Koitila ist seit zwei Jahren Wahlberlinerin. Zuvor war die junge schwedisch-finnische Künstlerin in vielen Ländern unterwegs. So ist es mit den Kreativen heutzutage – sie halten sich nicht an die Grenzen und achten auch sonst nicht darauf, was gesellschaftlich oder in der Kunst als festgelegt gilt. Ida Koitila zum Beispiel arbeitet gerne damit, was andere wegwerfen – abgebrannten Streichhölzern oder Glasscherben. Ein Besuch im Atelier.

IMG_0439

In einer Ecke steht ein kaputtes Fahrrad, auf dem Fensterbrett – ein kleiner trauriger Plüschlöwe vom Flohmarkt. An der Wand – ein paar leuchtende Neonröhren und eine mobile Heizung. Sie reicht nicht aus.


Es ist kühl. Ida Koitila gräbt sich tiefer in ihren dunkelblauen riesigen Pullover hinein und greift zur Teetasse& „Ich mache Bildhauerei und das ist nicht immer so sauber.“

Gerade stellt sie kugelförmige Figuren her, aus etwas her, das an gewundene Korallenstränge erinnert: „Das Material ist Stacheldraht, und dann mach ich Kerzenmischung darüber. Ich mach das in einem Topf für Glühwein, dann mach ich Wasser und da oben Stearin und dann mach ich den Stacheldraht da rein.“

Die Stacheldraht-Korallen werden ein Teil der kommenden Ausstellung sein. Dass die Objekte organisch aussehen, amüsiert ihre Autorin: „Ich habe gemerkt, dass seit ich wohne in Berlin, dass meine Arbeit ist ein bisschen mehr urban. Das ergibt diese Paradox zwischen der Stadt und meiner Kindheit, dass ich habe verbracht an der schwedischen Küste.“

 

IMG_0430 (4)

Ida Koitila ist in Schweden in einer finnischen Familie geboren. Eine Künstlerin – das wollte sie schon als Kind werden. Ausflüge in die Welt der Architektur und des Textildesigns waren kurz. Ihre Bestimmung fand Ida Koitila an der Akademie der schönen Künste in Helsinki. Heute ist sie 32 und macht Kunst, indem sie Gegenstände und Räume auf paradoxe Weise miteinander verbindet: „Das Material für mich ist so neutral. Ich möchte gerne sehen das Objekt frei von allen Vorstellungen, die wir haben von das, z. B. der Stacheldraht, ich bin nicht so interessiert, was bedeutet Stacheldraht heute für uns in einem politischen Bild, im Gegenteil, ich bin sehr interessiert, was ein Material kann sagen über etwas total anderes. Ich denke, das ist eine gute Beschreibung meiner Arbeit. Das ist nicht direkt möglich zu sagen, was genau ist das. Du brauchst Zeit und auch ein bisschen Phantasie vielleicht.“

Ida Koitila setzt ihre massive Brille ab. Ein schwarzes Gestell. Plötzlich wirken ihre Gesichtszüge fast filigran. Keine Schminke, kein Schmuck. Aus den überlangen Pulliärmeln gucken nur Fingerspitzen heraus. Sie spielt mit winzigen schwarz-weißen Würfeln, die auf dem Couchtisch herumliegen. Einige sind mit roten Punkten versehen. Ein Fotoposter an der Wand zeigt wie diese Würfel, Seite an Seite zusammengelegt, ein Muster ergeben. Es wirkt komponiert, ist aber zufällig entstanden. Das Werk soll über zwei Meter hoch werden. Eine Art Stele. Der Titel – Lebensgefahr. Die Idee dazu hatte Ida Koitila, als sie in Lychen lebte und das KZ Ravensbrück besuchte. Und nach einem Aufenthalt in Frankreich ist eine Girlande aus Feuersteinen und Kordelstoppern von Kaputzen entstanden. Ein urzeitliches Silizit und Plastik – zu einem Strang verknotet. Ida Koitila nennt das Werk DNA.

Ich mache verschiedene Arbeiten in verschiedenen Ländern, aber mein Arbeitsprozess ist immer ähnlich.“

So ist auch Berlin für Ida Koitila – nur ein weitere anregende Station: „Ich sehe das wie eine große Wohnung, und dann Berlin ist vielleicht meine Küche und dann das Wohnzimmer ist Helsinki, und vielleicht so der Abstellraum ist Schweden. Wenn ich fliege nach Schweden, das ist eine Stunde. Das ist schneller als wenn ich möchte nach Potsdam fahren. Ich bin ein bisschen rastloser Charakter, und deswegen passt das sehr gut.“

Und was ist mit Heimweh? „IKEA!, das funktioniert immer, das ist nicht weit weg von mir, ich gehe da manchmal für Köttbullar. Ich habe immer gedacht, ich habe kein Heimweh, aber wenn ich habe gesehen mein letztes Kunstwerk, dieses aus Stacheldraht, das sieht aus wie die Küste in Schweden.“

Ida Koitila wirkt plötzlich verlegen. Sie mag Paradoxa in ihrer Kunst – und nun hat sie eines im eigenen Leben entdeckt.

Zum Radiobeitrag auf Kulturradio vom RBB:

http://www.kulturradio.de/zum_nachhoeren/index.html

Ida Koitila: Crash of Air.

Vernissage: 28.01.2016 19.00 – 21.00 Uhr

29.1.–18.3.2016: Mo–Mi 11–17 Uhr, Do 11–19 Uhr, Fr 11–15 UhrFinnland-Institut, Georgenstr. 24 (1. OG), 10117 Berlin

Infos im Netz unter www.finnland-institut.de

 

Berlin Fashion Week: Der Berliner Mode Salon

Die Berlin Fashion Week ist vielleicht nicht so international-glamourös wie die Modeschauen in Paris oder Mailand, aber die Veranstalter machen aus diesem Manko eine Tugend – und besinnen sich auf ihre Identität – deutsche Mode. Aber was macht deutsches Modedesing aus? Ein klärendes Gespräch aus dem Pop-Up-Shop im KaDeWe mit einem, der es wissen sollte: Marcus Kurz, Mitinitiatior des Berliner Mode Salons.

 

MARCUS KURZ - Co-Initiator DER BERLINER MODE SALON©PR

Die Deutschen haben es ganz schön bunt im Schlafzimmer… Zumindest, wenn man nach den farbenprächtigen filigran gemusterten Pyjamas des Münchener Labels Horror Vacui urteilt. Die Deutschen lieben vermooste Wälder – darauf lässt die aktuell populäre

Weiterlesen

Die Wiederentdeckung des Fächers.

 

Der Modezar Karl Lagerfeld zeigte sich jahrzehntelang nicht ohne seinen Fächer in der Öffentlichkeit. Eigentlich überraschend, dass dieses Accessoire nicht zum weltweiten Trend wurde. Doch wenn es zu warm wird, freuen wir uns über jedes laue Lüftchen und erinnern uns – vor allem die Damen – gerne an die erfrischende Kraft der Handfächer. Und auch wenn sie nie so richtig einen modischen Hype erlebten, so ganz aus der Mode waren Fächer auch nie – und das seit Jahrhunderten…

IMG_6974

Bereits der ägyptische Pharao Tutenchamun hatte einen goldenen mit Federn. Die Königin Victoria einen kleinen schwarzen aus Eisen und die Herzensbrecherin Carmen einen vielleicht nicht besonders teuren, aber bestimmt in den Farben der Leidenschaft – Rot und Schwarz.

Es ist eine Geschichte vom jahrhundertelangen Siegeszug und wenige Jahrzehnte
schnellen Niedergangs.  Im 16. Jahrhundert brachten Handelsleute erste Handfächer aus Ostasien nach Portugal. Es dauerte nicht lange und Fächermacher wurde zum angesehenen Berufsstand. Und der Fächer an sich – zum Statussymbol.

Elfenbein und Edelsteine, Spitzen und Seiden wurden zu üppigen Kunstwerken zusammengesetzt, je opulenter um so besser! Zumal ein großer Fächer mühelos erlaubte, in Geheimfächern zwischen den Stäben Puder, Spiegel, Kämme oder sogar ein Mini-Thermometer zu verstecken. Oder eine Lupe. Oder einen Liebesbrief. Wobei ein Fächer mitunter die Liebeskorrespondenz überflüssig machte. Hieß es doch in der Fächersprache „ich liebe einen anderen“, wenn der Fächer in der rechten Hand flattere und die Anzahl der geöffneten Stäbe etwa verkündete die Zeit für ein Rendezvouz.

Nach dem letzten großen Fächer-Hype in den roaring Twenties verschwanden die Fächer immer mehr aus dem Alltag um irgendwann in den 50-ern zum schnöden Firmengeschenk zu degradieren. Mit Fächern ging auch die Kunst des richtigen Flatterbewegung verloren. Deswegen hier ein Tipp „aus erster Hand“ 😉 – von der Berliner Handfächer- Spezialistin Esther Ramos die auf  www.canela-art.com spanische Fächer vertreibt. Ihr Rat: „Den Fächer aufschlagen, drehen, so dass die untere Rippe fast parallel zum unterem Arm wird und dann bewegen wir die Handgelenk…“

Helsinki Dresses – wie aus Häusern Kleider werden. Eine Ausstellung in Berlin.

P1090712

http://finnland-institut.de/programm/spotlight/anne-mustarastas-helsinki-dresses-architektur-verkleidet-sich-im-kostuem/

Sag mir, was du trägst, und ich sage dir, wo du wohnst. So in etwa könnte das Motto der Ausstellung „Helsinki Dresses“ heißen. Denn Helsinki Dresses sind Kleider, die von bestimmten Gebäuden der finnischen Hauptstadt inspiriert wurden. Für mich steht nach dem Besuch der Ausstellung fest: die berühmte Kamppi-Kapelle würde ich gerne tragen:

Das zeitlose Ensemble aus einem Bleistiftrock und einer Schluppenbluse besticht durch die Farbkombination aus Nebelgrau und Lachsorange. Gekrönt wird die Kreation von einer Pillbox. Das Hütchen ging in den 50-ern in die Modegeschichte ein, als das ultimative Accessoire der Stewardessen und sexy Witwen. In der Interpretation von Anne Mustarastas ist die kecke Kopfbedeckung eine Hommage an die ungewöhnlichste Kapelle Helsinkis. Ein Gebäude, das die einen an ein überdimensionales Bienennest, die andere an die Arche erinnert. Riesig, schwungvoll oval, aus honigfarbenem Erlenholz. Die Kamppi-Kapelle, sagt die Designerin Anne Mustarastas, ist eigentlich eine Ausnahme in ihrer Kollektion – zu berühmt.

"Ich habe diese Kollektion für die Bewohner von Helsinki gemacht, damit sie sich wieder in die schönen Fassaden und Häuserformen verlieben. Also habe ich Gebäude gesucht, die nicht besonders bekannt sind, sondern einfach ein Teil des Blocks darstellen. Markante Gebäude versuchte ich zu vermeiden."

So entstand ein Ballkleid-Reifenrock aus blassgrünen Seidenschindeln, die an die Kuppel des Doms zu Helsinki erinnern. Oder ein mittelalterliches Gewand mit einem Hennin, einem kegelförmigen Riesenhut. Eine Reminiszenz an die halbrunden Türmchen-Erker. In der Farbe reifer Preiselbeeren.

Die ganze Geschichte der Helsinki-Dresses:  Am 6.05.2015 im Kulturradio vom rbb.

Die ganzen Kreationen sind zu segen im Finnland-Institut. Georgenstr. 24, 11017 Berlin

 

 

Let´s Latzhose!

Es wird wärmer, in den Boutiquen und Einkaufspassagen verdrängen leichte Blusen und pastellfarbene Schals Wollpullover und Daunenjacken. Und sind sie schon modisch auf die kommende Sommersaison vorbereitet? Wenn nicht – hier unser heißer Tipp – besorgen Sie sich eine Latzhose! Das ist der Sommertrend 2015.
Und wie die meisten Modeerscheinungen greift auch diese Altbewährtes und Bekanntes auf. Hier mein Loblied auch die Latzhose.

Guy Laroche,  Ralph Lauren, Jean Paul Gaultier – nicht nur diese Modeimperien setzen im Sommer 2015 auf Latzhose. Futuristisch extraweit im Eierschalenton,  hauteng und mit Paspeltaschen oder sexy-hexy mit Netzeinsatz und nix drunter. Und natürlich aus Jeansstoff, industriell auf used getrimmt, besonders lässig – mit einem wie zufällig abgerissenen Träger.

"Ich frage mich, warum – auch hier in Paris – immer mehr Damen, die sonst High Fashion tragen, plötzlich in Latzhosen herumlaufen," fragt sich eine Modebloggerin auf dem Fashionportal Modepilot und beantwortet ihre Frage selbst: die Latzhose sei bequemer an- und auszuziehen, als all die Overalls und Jumpsuits, die in den vergangenen Jahren so in waren. Träger abknöpfen und den Rest erledigt die Schwerkraft. Die ganz coolen tragen Latzhosen heutzutage übrigens mit abgeknöpften Trägern, sodass der Latz über den Knien baumelt als eine Art Lendenschurz.

Ursprünglich war die Latzhose eine Arbeiterkluft. Die Hose mit dem Latz vor der Brust wurde in den USA erfunden. Die einen meinen, vom lettischen Emigranten Jacob Davis, seines Zeichens Schneider vom Denimlieferanten Levi Strauss. Andere Quellen behaupten, Latzhosen waren bereits Ende des 18. Jahrhunderts als praktische Arbeiterbekleidung bekannt und beliebt.  Um 1850 wurden in den USA auch traditionelle Muster der Latzhose festgelegt – Weiß für Maler, Blau für Bauern und Gestreift für Eisenbahner. Heute tragen Girlies Latzhosen mit Blumenprints oder in Lederoptik. 99 Jahre, nachdem es Frauen zum ersten Mal in der Geschichte überhaupt erlaubt wurde, Latzhosen zu tragen. Während des Ersten Weltkrieges durften britische Arbeiterinnen das Bein- und Brustkleid anziehen. Und haben es zu einem Symbol gemacht.  Und die Frauenbewegung machte in den 70-er Jahren aus der Latzhose ein politisches Statement.

Heute hängt eine Latzhose im Deutschen Historische Museum in einem Schaukasten als Exponat zum Thema Frauenbewegung. Und die Töchter der Feministinnen kaufen sich wieder Latzhosen, allerdings als Hot-Pants.

God save the tweed. Über den Zauber eines alten Stoffes.

P1090721

Sind es die Farben, die an arktisch karge Wiesen denken lassen, an vermooste Granitfelsen, honiggold schimmernden Whisky und schiefergrüne Wellen? Oder ist das der Stoff, rau und robust, der nicht zwischen den Fingern fließt, sondern die Hand zum hineingreifen und festhalten einlädt. Vielleicht aber ist es der gemütliche alles-wird-gut-Duft, der Wärme und Geborgenheit verspricht. Ach, Tweed ist einfach etwas Wunderbares…


Warum Queen Elisabeth und Miley Cyrus, James Bond und Sean Connery,  jede zweite Leiche in den Agatha Christie-Romanen, US-First Lady Michelle Obama und Angela Merkel-Ehemann Joachim Sauer, Rapper Snoop Dogg und Startenor Thomas Quasthoff gleichermaßen dem fedlen Schafswollzwirn verfallen sind, ist leicht erklärt.

Neben den Trageeigenschaften ist es aber auch diese Aura einer Legende,
die den Stoff umgibt. Und die wehenden Highlander-Gewände sind nur ein Teil davon…
Seit Jahrhunderten wird Tweed in Schottland und Irland nach alter Tradition produziert. Dabei hat sich vor allem der Harris Tweed von der Inselgruppe der ÄußerenHybriden zu einer Art britischem Nationalheiligtum gemausert – als er vor genau 105 Jahren als geschützte Marke anerkannt wurde und das höchste Machtsymbol des Empires in sein Logo eingewebt bekam – den Orb, einen Reichsapfel. Als Mitte der Achtziger-Jahre die Queen of Punk Vivienne Westwood das Symbol für ihr Couture-Label entdeckte und auf einheimische Stoffe für ihre Kreationen zurückgriff, wurde aus Harris Tweed ein Modekult. Heute lassen namhafte Möbelhersteller Sofas mit exquisitem Harris Tweed beziehen, Sportimperien werfen Tweedsneakers auf den Markt und japanische Designer schneidern Bezüge für Autokopfstützen aus dem Stoff.

 

More than Tweed by www.irish-berlin.de